Der Verein
Das Musikleben in Schielberg - Eine Chronik
Im Jahr 2008 feiert die
Feuerwehrkapelle Schielberg (im folgenden Text kurz FWK
genannt) ihr 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wollen wir Rückschau halten
auf
die vergangenen Jahre. Schon in früheren Zeiten fanden sich musikliebende
Menschen zusammen, um sich ihrem Ideal, der Musik - vor allem der Volksmusik -
in Gruppen zu widmen. Leider sind hierüber, außer zweier Bilder keine
schriftlichen
Unterlagen vorhanden, so dass wir auf mündliche Überlieferungen angewiesen sind.
Die Anfänge der Blasmusik
in Schielberg waren demnach kurz nach der
Jahrhundertwende um das Jahr 1903. Damals hatten fünf junge Männer die Idee,
als „Martini Huber" um „Martini" im November in der ganzen Umgebung „Kerwe-
musik" zu spielen.

„Martini-Huber“ ▪ Bild um ca. 1903
Musiker waren:
Johannes Sarbacher, Baß
Nikolaus Jäger, Klarinette
Gustav Kunz, Tenorhorn
Albert Jäger, Trompete
Josef Axtmann, Es-Horn
Nach einigen Jahren hat
sich diese Gruppe durch einen Streit wieder aufgelöst.
Man erzählt sich, dass zuletzt der Trompeter sein Instrument im Gasthaus „Linde"
auf dem Ofen zertrümmerte.
Die Liebe zur Volksmusik
blieb jedoch auch nach dem ersten Weltkrieg bestehen.
So fanden sich wiederum sechs Männer, die den Idealismus aufbrachten, aus
Freude an der Musik ein eigenes Instrument zu kaufen und zu musizieren.
In Herrn Krause, einem
Militärmusiker, fand man einen für die damaligen
Verhältnisse guten, aber strengen Dirigenten. Jeder Musiker musste seinen Anteil
für den Dirigenten aus eigener Tasche bezahlen.
Es waren dies:
Johannes Sarbacher, Tenorhorn
Rudolf Sarbacher, Trompete
Wilhelm Schneider, Baß
Karl Girrbach, Klarinette
Gustav Eckert, Trompete
Ernst Bürkle, Klarinette
Diese Gruppe hatte u.a.
1919 in Schielberg ein Turnfest musikalisch umrahmt.
Nach ca. 5 Jahren, mit Beginn der Arbeitslosigkeit und der Inflation, wurde sie
wieder aufgelöst. Man wollte den Leuten nicht weiterhin - mit dem bei jeder
Musikrunde üblichen Tanzgeld - das letzte Geld aus der
Tasche ziehen.
1925 fanden sich wieder ca.
zehn, fast gleichaltrige musikbegeisterte junge
Männer und gründeten ein Mandolinenorchester. Den weiten Weg nach
Feldrennach zu ihrem Ausbilder und Dirigenten Fleig mussten sie zu Fuß
zurücklegen. Der größte Teil dieser Idealisten unterstützte gleich bei der
Gründung unsere heutige FWK als fördernde Mitglieder.
Vor dem 2. Weltkrieg, um
1937/38, existierte nochmals eine Blasmusikgruppe, die
beim Erntedankfest einen damals üblichen Umzug mit Marschmusik begleitete.
Bis in die fünfziger Jahre sorgten dann mehrere kleine Gruppen, mit
Instrumenten-
besetzungen wie Handharmonika, Klarinette und Schlagzeug, für Musik im
Ort.
Im Herbst 1953 war die
Freiw. Feuerwehr Schielberg in Oberweier bei einer
Beerdigung von der Musik des dortigen Spielmannszuges sehr beeindruckt. Man
beschloss unter Kommandant Anton Schwaab bei der Generalversammlung 1954
einen Spielmannszug zu gründen.
Bürgermeister Max Brandel
sagte die Unterstützung der Gemeinde bei der
Anschaffung von Instrumenten zu. So begann man mit 10 Pfeiffen und 4
Trompeten. An Fastnacht und bei der 700-Jahr-Feier im Jahre
1955 absolvierte man die ersten Auftritte.

Fastnacht 1955

700-Jahr-Feier 1955
So wurde immer mehr und
immer öfter im Dorf musiziert; man spielte bei
Hochzeitsständchen, Gartenfesten, Beerdigungen usw.
Aus den Reihen der Kolpingfamilie wurde 1956 ein Akkordeon-Orchester gegründet,
das im Jugendheim mehrmals konzertierte. Leider löste sich dieses Orchester nach
einem viel versprechenden Anfang, ca. 2 Jahre später, beim Wegzug des
Dirigenten Straub aus Herrenalb auf.
Der Spielmannszug legte
sich inzwischen Fanfaren zu und verzeichnete für die
damaligen Ausbildungsmöglichkeiten ohne Noten schöne Erfolge. Man konnte aber
schon erkennen, dass man auf längere Sicht musikalisch begrenzt war.

Spielmannszug und Freiw. Feuerwehr Schielberg
So mehrten sich schon 1957 im Dorf die Stimmen, die eine Musikkapelle wünschten.
1958
Es kam bald zu folgendem Gründungsprotokoll der Feuerwehrkapelle Schielberg.


Gründungsverwaltung der FWK Schielberg
Von
links: Otto Maucher; Alfred Walzer; Rudolf Fluderer; Anton Schwab;
Alois Lux; Bernhard Sarbacher; Alois Sarbacher; Heinz Wagner.
Bis zur ersten Musikstunde,
war ein schönes Stück Arbeit zu leisten.
Ein Aufruf für Geldspenden an die Bevölkerung und die Gewerbebetriebe zeigte
recht gute Erfolge. Zusammen mit dem Überschuss aus Feuerwehrfesten wurde ein
Betrag von ca. DM 10000,- zusammengebracht, womit die ersten Instrumente
angeschafft wurden. Das Musikhaus Padewet in Karlsruhe machte das beste
Angebot und erhielt den Zuschlag.
Den damaligen Verwaltungsmitgliedern sei an dieser Stelle ein Dank gesagt, für
die
Gründung einer Blaskapelle im Dorf.

Obere Reihe von links:
Franz Dix, Waldemar Sarbacher, Lothar Glaser,
Hubert Axtmann, Gerhard Sarbacher,
Josef Walzer, Hermann Fluderer, Alfons Axtmann.
Mittlere Reihe von links: Horst Wagner, Otto Baldinus, Alois Binkert, Manfred
Jung,
Erwin Lux, Egon Maucher, Karl Schneider.
Untere Reihe von links: Bernhard Kunz, Erich Harlfinger, Egbert Mohr, Alois
Vogel,
Manfred Reichert, Hartmut Reichert, Manfred Schmitt.
Bei der ersten
Jahreshauptversammlung im April 1958 wurde ein Mitgliedsbeitrag von
50 Pfennig pro Monat einstimmig festgelegt.
Dirigent Alois Vogel aus
Busenbach verstand es mit seiner straffen Führung und
einer guten Portion Humor die jungen Musiker zur Höchstleistung anzuspornen, so
dass zum Jahreswechsel 1958/59 das erste Konzert
der FWK, welches sogar wiederholt werden musste, erfolgen konnte. Der gelungene
erste Auftritt gab Anreiz und Auftrieb in den folgenden winterlichen Proben.

1. Konzert der FWK im Jugendheim
Der Anfang war gemacht, und
so reihte sich ein Auftritt an den anderen. Da waren
Ständchen zu spielen, und Feste musikalisch zu umrahmen. Auch beim Kirchenbasar
in Langenalb und bei feierlichen Anlässen in unserer Kirche war die Kapelle
dabei. So
nahm die FWK regen Anteil am Dorfgeschehen.
1959
Im darauf folgenden Jahr
trat die Kapelle am 1. Mai dem Volksmusikverband Baden-
Pfalz bei und - vom 30. Mai bis 1. Juni 1959 - wurde dann das Gründungsfest
gefeiert, welches ein großer Erfolg war.
Wegen des Ernteausfalls auf dem Zeltplatz-Grundstück wurden damals von den
Musikern für den Eigentümer im Dorf Kartoffeln gesammelt.
Die Patenschaft unserer
Kapelle übernahm dankenswerter Weise unsere
Nachbarkapelle Musikverein „Edelweiß" Pfaffenrot, unter ihrem Vorstand und
Bezirksvorsitzenden „Albtal“ Ignaz Weingärtner.
Im Herbst 1959 wurden erste
Noten zur Gründung einer Tanzmusikabteilung, den
„Lustigen Musikanten" angeschafft. Die Ausbildung der ersten Jungmusiker begann
und somit die wichtigste Aufgabe für das Fortbestehen einer Kapelle.
1960
Im Frühjahr machte sich
Herr Vogel selbständig und stellte deshalb seinen
Dirigentenposten zur Verfügung.
In Herrn Karl Heiland aus
Pforzheim fanden wir einen geeigneten Nachfolger. Er
beherrschte selbst alle Instrumente, und eine straffe Probenarbeit war sein
Steckenpferd. Mit seinem musikalischen Können brachte er die besten
Voraussetzungen mit, eine kleine Anfängerkapelle langsam und stetig nach oben
zu führen.
Es gab viele, sogar sehr
viele Schwierigkeiten zu überwinden. Bis 1966 hatten wir
einen fünfmaligen Wechsel der Musikervorstände. Dies waren: Erwin Lux, Horst
Wagner, Kurt Mangler, Otto Baldinus und Manfred Reichert.
Mehrere Musiker mussten
ihren Wehrdienst bei der Bundeswehr ableisten. Hätte Herr
Heiland es nicht verstanden selbst mitzuspielen, wäre mancher Auftritt nicht
möglich
gewesen. Lobend sei noch erwähnt, dass unsere Nachbarvereine Pfaffenrot,
Ettlingenweier, Langenalb und Kieselbronn uns in jener Zeit oft in
uneigennütziger
Weise mit Aushilfsmusikern unterstützt haben.
Beim Sportfest in Schielberg sowie beim Gesangverein Bernbach wurde im Sommer
1960 zum ersten Mal zum Tanz aufgespielt. Die Gage für jeden Musiker betrug
damals 8,- DM am Abend.
Von unserem aktiven
Mitglied Waldemar Sarbacher und seiner Braut Ilse Hellweg
wurde eine Fahne gespendet. Aus Anlass der dazugehörenden Fahnenweihe
beantragten wir 1961 das Bezirksmusikfest.
Obwohl noch andere Bewerber vorhanden waren, erhielten wir als junge Kapelle von
der Bezirksversammlung Gruppe „Albtal" das Fest übertragen. Somit hatten wir uns
für die nächste Zeit eine organisatorisch große Aufgabe gestellt.
1961
Das Bezirksmusikfest „Albtal“,
verbunden mit der Fahnenweihe vom 15. – 17. Juli 1961,
wurde für unsere Kapelle und ihre Verwaltung ein großer Erfolg. Alle
Musikvereine des
„Bezirkes Albtal“ besuchten unser Fest und brachten mit ihrer Musik ihre
Verbundenheit zum Ausdruck. So war ein finanzieller Grundstock für weitere
Instrumentenkäufe geschaffen.

Festzug beim Bezirksmusikfest
Für den
Neubau eines Gemeindehauses in Langenalb musizierte die FWK beim Basar der
dortigen evangelischen Kirchengemeinde.
1963
Die FWK
beteiligte sich erstmals beim Faset-Umzug in bunten Gewändern mit närrischer
Musik. Zugunsten des Kirchenneubaues organisierte die FWK zusammen mit dem MGV
„Einheit“ ein gut besuchtes Fest in der Dreschhalle. Am Abend spielte die FWK
zum
Tanz auf. Im August umrahmte die FWK die Einweihung des neuen Sportplatzes mit
mehreren Musikbeiträgen, abends spielte unsere Tanzkapelle.
1964
Die FWK
besuchte das 10-jähr. Jubiläumsfest des MV Ettlingenweier, mit dem wir seit
Gründung über Dirigent Alois Vogel befreundet sind, und beteiligte sich am
Festzug und
Freundschaftsspielen.
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